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Venus – Fotografien von Jindřich Štreit

28. 4. - 30. 11. 2017

Schwarz-weiße Aufnahmen von Jindřich Štreit aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bieten die Interpretation in zwei Ebenen: die erstere ist die klassische Analyse von J. Štreit als Dokumentarist, wie es zahlreiche Aufsätze der Fotografie-Theoretiker belegen (siehe 35 Bücher und viele Kataloge). Die andere Ebene, d.h. die Interpretation aus dem Gesichtspunkt der visuellen Anthropologie, aus der Perspektive der “erlebten und gesehenen Kultur”, wartet immer noch auf ihre Auswertung. Diese Lücke bildete den Ausgangpunkt der Brünner Ausstellung.

Die Fotografien J. Štreits widerspiegeln das Leben einer kleinen, sozial, lokal und zeitlich beschränkten Kommunität vom unten, sie dokumentieren die “kleine Geschichte”, deren Erkenntnis uns erlaubt, große Ereignisse besser zu verstehen. Sie untersuchten Kleinigkeiten, hinter welchen sich Lebensgeschichten konkreter Menschen in einer konkreten Zeit verbergen. Ungewollte Protagonisten sind konkret, die behandelte Zeitspanne deckt die 1980er Jahre, die Aufnahmen wurden in der vernachlässigten Region von Bruntál gemacht und ihr raues Charakter beeinflusste wesentlich deren Inhalt. Als ein unmittelbar reagierender und nicht unbeteiligter Beobachter wusste J. Štreit die scheinbare Trostlosigkeit alltäglicher sowie feierlicher Momente im Leben dieser “entwurzelten” Region, dieser spezifischen Populationsprobe zu erfassen, die nach 1945 in das ausgesiedelte Gebiet aus verschiedenen Teilen der damaligen Republik einzog.

   

 
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